Kriegsdienst verweigern

MANIFEST GEGEN DIE WEHRPFLICHT UND DAS MILITÄRSYSTEM

Im Namen der Menschlichkeit,

für das Wohl aller Zivilisten, die von Kriegsverbrechen bedroht sind,

insbesondere der Frauen und Kinder, und

zugunsten der Mutter Natur, die unter Kriegsvorbereitungen und Kriegsführung leidet,

plädieren wir, die Unterzeichner, für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht als einen größeren und entscheidenden Schritt zur vollständigen Abrüstung. Wir erinnern uns an die Botschaft der Humanisten des 20. Jahrhunderts:

"Wir glauben, daß auf der Wehrpflicht aufgebaute Heere mit ihrem großen Stab von Berufsoffizieren eine schwere Bedrohung des Friedens darstellen. Zwangsdienst bedeutet Entwürdigung der freien menschlichen Persönlichkeit. Das Kasernenleben, der militärische Drill, der blinde Gehorsam gegenüber noch so ungerech-ten und sinnlosen Befehlen, das ganze System der Ausbildung zum Töten untergraben die Achtung vor der Persönlichkeit, der Demokratie und dem menschlichen Tun. Menschen dazu zu zwingen, ihr Leben aufzuge-ben, oder sie gegen ihren Willen, gegen ihre Überzeugung und gegen ihren Sinn für Gerechtigkeit zum Töten zu zwingen, stellt eine Erniedrigung der menschlichen Würde dar. Ein Staat, der sich für berechtigt hält, seine Bürger zum Kriegsdienst zu zwingen, wird auch in Friedenszeiten die gebührende Achtung und Rücksicht auf das Wohl und Wehe des Einzelnen vermissen lassen. Mehr noch: Die Wehrpflicht pflanzt der ganzen männli-chen Bevölkerung einen militaristischen Geist von Aggressivität ein, und das in einem Alter, in dem sie solchen Einflüssen am ehesten erliegt. So kommt es, daß durch die Ausbildung für den Krieg schließlich der Krieg als unvermeidlich, ja als erstrebenswert angesehen wird." (1)

"Die Wehrpflicht liefert die Einzelpersönlichkeit dem Militarismus aus. Sie ist eine Form der Knechtschaft. Daß die Völker sie gewohnheitsmäßig dulden, ist nur ein Beweis mehr für ihren abstumpfenden Einfluß. Militärische Ausbildung ist Schulung von Körper und Geist in der Kunst des Tötens. Militärische Ausbildung ist Erziehung zum Kriege. Sie ist die Verewigung des Kriegsgeistes. Sie verhindert die Entwicklung des Willens zum Frieden." (2)

Wir wollen jeden dazu ermutigen, sich vom Militärsystem zu emanzipieren und darum Methoden gewaltfreien Widerstands anzuwenden, in der Tradition von Mahatma Gandhi und Martin Luther King, wie zum Beispiel:

Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen (von Wehrpflichtigen und Berufssoldaten, in Kriegs- und Friedenszeiten), Ziviler Ungehorsam, Kriegssteuerverweigerung, Nicht-Zusammenarbeit mit der militärischen Forschung, der Rüstungsproduktion und dem Waffenhandel.

In unserem Zeitalter elektronischer Kriegführung und wirksamer Manipulation durch Massenmedien, können wir unsere Verantwortung nicht verleugnen, rechtzeitig unserem Gewissen entsprechend zu handeln. Es ist höchste Zeit, unsere Einstellungen und unsere Gesellschaften zu entmilitarisieren und uns gegen den Krieg und alle Kriegsvorbereitungen auszusprechen.
 
Jetzt ist es an der Zeit zu handeln, jetzt ist es an der Zeit, kreativ zu werden und auf eine Weise zu leben, die das Leben der anderen Menschen rettet.

(1) Manifest gegen die Wehrpflicht von 1926, neben anderen unterzeichnet von Henri Barbusse, Annie Besant, Martin Buber, Edward Carpenter, Miguel de Unamuno, Georges Duhamel, Albert Einstein, August Forel, M.K. Gandhi, Kurt Hiller, Toyohiko Kagawa, George Lansbury, Paul Löbe, Arthur Ponsonby, Emanuel Rádl, Leonhard Ragaz, Romain Rolland, Bertrand Russell, Rabindranath Tagore, Fritz von Unruh, H.G. Wells

(2) Gegen die Wehrpflicht und die militärische Ausbildung der Jugend von 1930, neben anderen unterzeichnet von Jane Addams, Paul Birukoff und Valentin Bulgakoff (Sekretäre von Leo Tolstoi), John Dewey, Albert Einstein, August Forel, Sigmund Freud, Arvid Järnefelt, Toyohiko Kagawa, Selma Lagerlöf, Judah Leon Magnes, Thomas Mann, Ludwig Quidde, Emanuel Rádl, Leonhard Ragaz, Henriette Roland Holst, Romain Rolland, Bertrand Russell, Upton Sinclair, Rabindranath Tagore, H.G. Wells, Stefan Zweig
 

(im downloadbaren Dokument enthalten!)
 

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Antwort

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GANDHI-INFORMATIONS-ZENTRUM - KURZDARSTELLUNG:

Das GANDHI-INFORMATIONS-ZENTRUM ist seit dem Jahr 1990 ein gemeinnütziger Verein für Bildung und Kultur mit ungefähr 100 Mitgliedern im In- und Ausland, darunter namhafte Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller, wie z.B. dem Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel, Graf Serge Tolstoi (1911-1995) und Professor Joseph Needham (1901-1995).

Weltweit bekannt wurde das Gandhi-Informations-Zentrum in diesem Jahr durch die Verbreitung des "Manifest gegen die Wehrpflicht und das Militärsystem", welches zwei bereits von Gandhi, Einstein, Buber, Freud und Tolstois Mitarbeitern Birukoff und Bulgakov unterzeichnete Manifeste gegen die militärische Ausbildung der Jugend aktualisiert. Dieses Manifest wurde mittlerweile in mehr als 25 Sprachen übersetzt und von mehr als 200 hervorragenden Persönlichkeiten aus über 30 verschiedenen Ländern unterzeichnet.
 
Das Gandhi-Informations-Zentrum, Forschungs- und Bildungsstätte für Gewaltfreiheit, organisiert seit dem Jahr 1990 gemeinnützige Bildungsarbeit und gibt Publikationen über das Leben und Wirken von Mahatma Gandhi heraus. Das Gandhi-Informations-Zentrum knüpft Kontakte in alle Welt und trägt zu einem internationalen Netzwerk bei.

Der gewaltfreie, aktive Widerstand, wie er von Gandhi entwickelt und gelebt wurde, soll uns dabei Orientierung und Wegweisung sein. Damit verbunden wollen wir die Wurzeln der Gewaltfreiheit in vielfältigen Traditionen dokumentieren (um Beispiele zu nennen: die gewaltfreie Lehre Leo Tolstois in Rußland, den zivilen Ungehorsam Henry David Thoreaus, die Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings in den USA, die Sozialethik John Ruskins aus England, die Arche-Kommunitäten Lanza del Vastos in Frankreich sowie die Gewissensüberzeugungen religiöser Kriegsdienstverweigerer aus Österreich und Deutschland).
 
Unter dem Titel Satyagraha veröffentlicht das Gandhi-Informations-Zentrum seit 1994 Informationen für seine Vereinsmitglieder. So informierten unsere ersten beiden Nummern über das Gedenken an den 125. Geburtstag Gandhis und unsere Beziehungen zu Nachfolgern Leo Tolstois in Rußland.

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Dieses Manifest ist in mehr als 25 Sprachen übersetzt und von vielen Signataren unterzeichnet worden, unter ihnen vier Friedensnobelpreisträger. Das Manifest soll von weiteren Einzelpersönlichkeiten unterzeichnet werden, die entweder in den Bereichen Frieden, Ökologie und Menschenrechte engagiert oder im wissenschaftlichen und kulturellen Bereich hervorgetreten sind.
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