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Regionen und Länder

In diesem Rundbrief findet Ihr drei Artikel zu den Themen
Kriegsdienstverweigerung, Schwule in der Armee und Fussball, in denen es um
Männer geht. Wir bemühen uns aber weiter, der Arbeit von Frauen und Männern
einen gleichen Stellenwert einzuräumen.

15 MAI - INTERNATIONALER TAG DER KRIEGSDIENSTVERWEIGERUNG

Anlässlich des 15. Mai wird Ugur Yorulmaz als erster Verweigerer seit 1996
am 14. Mai den Kriegsdienst öffentlich verweigern. In unserem letzten
Rundbrief hatten wir Ugur bereits kurz vorgestellt. Hier Auszüge aus seiner
Verweigerungserklärung:

"WARUM ICH KEIN SOLDAT SEIN KANN?
Regierungen kümmern sich nie darum, wie ich fühle, denke und lebe. Es ist
die Methode von Regierungen, die mich wie Millonen andere Männer zwingen
will, nichts anderes zu tun, ausser zu gehorchen. Ich soll meinen Dienst am
Staat als Soldat ableisten. Ich bin aufgerufen zu lernen, wie eine Waffe
benutzt und der Staat mit Gewalt verteidigt wird, als dessen Bürger ich
beansprucht werde. Ich bin aufgefordert, bedingungslos zu gehorchen und
sogar zu töten und getötet zu werden. (…)

Eure Einberufung zum Militär bedeutet für mich, dass ihr mir mein Vertrauen
in das Leben, meinen Traum von einer freien Welt und meine Hoffnungen
nehmen wollt. Aber all das gehört mir und ich werde es Euch niemals geben.
Daher verweigere ich, meine restliche Dienstzeit abzuleisten und
irgendeinem Staat zu dienen."

GUTE AUSSICHTEN FÜR EINEN IMPULS
Seine Kriegsdienstverweigerung wird Ugur im Rahmen eines Festivals abgeben,
dass der antimilitaristischen Bewegung einen neuen Impuls geben soll. Die
Bedingungen dafür sind gut. Vor dem Festival treffen sich die aktiven
Gruppen aus der Türkei zu einem zweitägigen Vernetzungsttreffen, in Ankara
wird ein Verein der KriegsgegnerInnen gegründet worden sein und die
Materialien der vergangenen zehn Jahre KDV Geschichte werden sowohl
schriftlich als auch über eine Home-page zur Verfügung gestellt.
www.savaskarsitlari.org. Ungewiss bleibt allein, wie der Staat reagieren
wird.

Wir rufen alle Organisationen und Einzelpersonen dazu auf, Grußadressen für
das Festival zu senden. Sie werden dort dann verlesen. Mailt und faxt an:
iskd@hotbot.com oder 0090-232-4640842.
Wir werden nach dem 15. Mai ausführlicher über das Festival und die
Ergebnisse berichten.

TRAINING FÜR TRAINERINNEN HAT BEGONNEN

Seit April findet das erste Training für TrainerInnen des ISKD statt! Die
15 Teilnehmenden kommen aus verschiedenen politischen Gruppen und der
Izmirer Anwaltskammer. Es ist uns damit gelungen, einen Kreis von Aktiven
zu erreichen, der über den ISKD hinausgeht. Mit dem Beginn des Trainings
sind wir unserem anvisierten Ziel, die Idee gewaltfreier Konfliktaustragung
zu verbreitern, einen guten Schritt weitergekommen.

Die Teilnehmenden kommen mit sehr verschiedene Motivationen. Auf einer
Zeitleiste, die die Jahre 1960 bis 2000 umfasste, haben sie die wichtigsten
Ereignisse notiert, die sie zu dem Training für TrainerInnen geführt haben.
Das ergab einen sehr persönlichen Einblick in die politische Geschichte der
Türkei. Gut bekannte, geschichtliche Daten wie der Militärputsch von 1980
werden mit persönlichen Erfahrungen verbunden. Viele schilderten
Gewalterlebnisse von FreundInnen oder MandantInnen durch Folter und
Gefängnis. Einige haben Repressionen am eigenen Leibe erlebt, sei es, dass
sie auf einer Demonstration verprügelt wurden oder selbst im Gefängnis
waren und misshandelt wurden.

Entsprechend beziehen sich die Erwartungen darauf einen Umgang mit Gewalt
-auch mit der eigenen Gewalt- zu finden. Viele wollen ausserdem gewaltfreie
Methoden für die eigene Gruppenarbeit lernen.

ÜBUNGEN FÜHREN AN GRENZEN
Geprägt durch ihre Vorgeschichte kommen einige Teilnehmende bei Übungen an
ihre Grenze. Für eine Übung sollten sie eine halbe Stunde lang die Augen
verschliessen. In Deutschland können wir es den Teilnehmende erleichtern,
in dem sie sich einfach eine Augenbinde umlegen und sie fühlen sich dann an
Blinde-Kuh-Spiele und Kindergeburtstage erinnert. Hier war vor dieser Übung
die gespannte Atmosphäre im Raum förmlich zu spüren, als wir die
Augenbinden hervorholten. Der Grund: bei Polizeiverhören werden den
Menschen oft die Augen verbunden. Auch Folter wird meist mit verbundenen
Augen durchgeführt. Dies weckte nicht nur bei den Teilnehmenden, die selbst
schon einmal in so einer Situation waren grosse Zweifel an der Übung,
sondern auch bei den Rechtsanwältinnen, die sich mit Menschenrechten
beschäftigen. Erst nach der Zusicherung, dass wir von aussen keine
unangekündigten Störungen geplant haben und dass die Augenbinde nur eine
Hilfe sein soll, die Augen geschlossen zu halten konnten wir mit der Übung
beginnen. In der Auswertung zeigte sich auch, das dass Vertrauen in die
Transparenz unserer Arbeit und in die Gruppe eine wichtige Rolle gespielt
haben.

METHODEN GEWALTFREIEN TRAININGS SIND ETWAS NEUES
Es bleibt weiter spannend, sich mit der Idee von gewaltfreiem Training auf
fast neuem Boden zu bewegen. Bereits in Deutschland sind Titel wie
"Trainingsarbeit für gewaltfreies Handeln" vielen nicht bekannt, aber hier
müssen erst neue Worte geschaffen und das zugrunde liegende Konzept mit den
Teilnehmenden diskutiert und geklärt werden.

Es gibt entsprechend wenig Literatur zum Thema auf türkisch. Da alle
Teilnehmenden eine 2-Stunden-Einheit selbst moderieren sollen, müssen sie
sich entweder auf das Buch stützen, das nach einem Training 1996 auf
deutsch und türkisch veröffentlicht wurde oder auf Seminaraufzeichnungen
von türkischen Teilnehmenden an Trainings in Deutschland und Bosnien. Die
Gruppe hat daher entschieden, ein ausführliches Protokoll zu führen, um die
Materialsammlung zu vergrössern. Ideen für ein Handbuch werden diskutiert.
Unschätzbare Arbeit leistet dabei auch Ossi, der nicht nur in den Trainings
übersetzt, sondern bereits viele Arbeitspapiere übersetzt hat - die wir ihm
meistens erst in der letzten Minute geben können…

Die Ansprüche von uns und von den Teilnehmenden an dieses Training sind
hoch. Nach den ersten beiden Trainings waren sie sowohl von der Fülle der
Informationen als auch von dem völlig anderen Lernstil erschöpft. Aber
inzwischen haben sie Teams gebildet und bereiten ihre zwei-Stunden-Einheit
vor. - Es wird noch 3 Tagestrainings und ein Wochenende geben und dann
beginnt der Schritt in die Wirklichkeit: Hospitationen, Co-TrainerIn für
andere interessierte Gruppen und das Frauentraining im Sommer sind
Gelegenheiten, das neu Erlernte auszuprobieren und zunehmend Trainings auf
türkisch anzubieten.

FUSSBALL UND NATIONALISMUS
Am Tag nach dem die beiden Fans von United Leeds getötet worden waren, war
das Fernsehen voll von immer gleichen Bildern. In nächtlicher Szenerie
wirft ein Mann einen Stuhl auf einen anderen. Einer versucht seinen am
Boden liegenden Freund zu beatmen. Ein Engländer wehrt sich gegen fünf
Polizisten und zeigt auf den am Boden Liegenden.

Oft werden die Bilder in rascher Abfolge wiederholt. Eine Eigenart im
türkischen Fernsehen. Neulich war es der Popsänger Tarkan, der aus dem
Flugzeug stieg. Das besondere ist, dass solche Bilder vier oder fünf Mal
wiederholt werden. Direkt hintereinander. Tarkan steigt aus dem Flieger,
Treppe runter, Winke-Winke. Noch einmal: Tarkan steigt aus, Treppe,
Winke-Winke und noch einmal und dann noch einmal. Als Zuschauer bin ich
nicht nur dabei, sondern erlebe das Geschehene quasi als Déja Vu wieder und
wieder.

So auch die Strassenschlacht in Istanbul. Aufgeregte Männer, die
aufeinander einschlagen. Die Türken im deutlichen Platzvorteil. Polizei,
Rettungswagen und Presse.

"ELF MÄNNER ZIEHEN ALLEINE AUS"
Der Stellenwert des nachfolgenden Spiels wuchs enorm. Am Tag nach dem Sieg
von Galatasaray dann ein Bildervergleich in der Tageszeitung "star," der
für weitere Aufregung sorgt. Unter dem Foto eines am Boden gekauerten,
geschlagenen Fans aus Leeds das Bild eines Spielers von United Leeds in
ähnlicher Pose. Der Titel: "Wir haben es ihnen zwei Mal gegeben."

Das Rückspiel in Leeds fand dann ohne Fans aus der Türkei statt. "Elf
Männer ziehen alleine aus" lautete eine Schlagzeile. Aber zu Hause waren
viele bereit. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn schien der Strassenverkehr
eingestellt. In Kneipen drängten sich die Menschen vor den Fernsehern. Mit
150 anderen Männern vor einem fünfundfünfziger Bildschirm gedrängt,
versuche ich das Spiel zu verfolgen. Im hinteren Drittel sitzend konnte ich
das Spielgeschehen allerdings mehr erahnen, alles weitere musste ich aus
der Stimmung der ersten zwei Drittel ablesen. Und da ging es gleich hoch
her. Das erste Tor nach wenigen Minuten. Niemanden hält es auf dem Stühlen.
Gesänge und Schlachtrufe werden angestimmt. Was für eine Stimmung. Es reißt
mich mit und stößt mich ab. Das zweite Tor löst einen noch größeren
Freudentaumel aus. Das war ein schöner Treffer meinte einer, der sich von
vorne nach hinten durchgedrängt hatte. Der Gegentreffer wird schweigend
quittiert, genauso wie die beiden roten Karten gegen Leeds und Galatasaray.
In der Pause gewinnt dann meine Abscheu vor der begeistert-singenden
Männergruppe überhand über mein soziologische Interesse und ich suche das
Weite.

Wie nach jedem wichtigen Spiel wird auch in diesem Fall die siegreiche
Mannschaft durch die Fans gefeiert, die hupend durch die Straßen rasen.
Weit lehnen sich die Wagemutigen aus den Seitenfenstern und schwenken ihre
Fahnen. Mit Galatasaray ist es in der Türkei wie mit Bayern München in
Deutschland. Ausser den eingefleischten Fans aus dem Süden mag niemand die
Bayern so richtig. So mögen viele auch Galatasaray nicht und in "unseren
Kreisen" gehört es sich, für Fenerbahce, den ewigen Zweiten zu sein. Aber
nach dem Sieg in Leeds war jeder ein Galatasarayer.

FUSSBALL IST EINE NATIONALE MÄNNER-ANGELEGENHEIT
Nun ist Fussball nicht einfach Fussball sondern eine nationale
Angelegenheit und damit Gegenstand von Politik und vom Selbstverständnis
der Türken an sich. Ich bin kein Freund von Verallgemeinerungen und daher
obacht. Was ich schreibe bezieht sich vor allem auf Männer und zwar auf
diejenigen, die sich in der Gesellschaft unübersehbar machen.

Auf Seiten des Staates war mann nach den Verbrechen von Istanbul rasch
bemüht, die europäischen Wogen zu glätten. Sowohl der Sportminister als
auch der Aussenminister baten die Welt der Sportbegeisterten um Verzeihung.
Und das ist ein wichtiges Signal an den türkischen Nationalismus, der auch
eine andere Reaktion erlaubt hätte. Der türkische Nationalismus zeichnet
sich unter anderem durch die Aussage aus, dass die Türkei von Feinden
umstellt sei. "Der türkische Fundamentalismus ist eigentlich ein auf
ständiger Existenzangst und empfundener Bedrohung basierender
Nationalismus." (Tanil Bora) Seine Wurzeln hat dieses sog. Sévres-Syndrom,
in dem Vertag von Sévres, mit dem das osmanischen Reich in Protektorate
aufgteilt wurde.

WANDELT SICH DER TÜRKSICHE NATIONALISMUS?
Einen Wandel in dieser bisher bestimmenden Politik zeichnet sich seit dem
Erdbeben von Izmit immer deutlicher ab. Die Erbfeindschaft mit den Griechen
wird von Regierungsseite nicht weiter genährt. Nach den Toten von Istanbul
war der Ton, mit Ausnahme einiger Tageszeitungen, versöhnlich. Das Treffen
des türkischen und griechischen Aussenministers in den USA vor wenigen
Tagen und die Wahl eines moderaten Präsidenten markieren vielleicht
Wendepunkte für den türkischen Nationalismus, der in seiner bisherigen Form
ein Hindernis für die wirtschaftlichen Interessen wird.

Das mag ein Hoffnungsschimmer für MenschenrechtsaktivistInnen sein. Wird
die Angst vor Bedrohung von außen abgelegt und damit der "nationale Reflex"
gegen jeden vermeintlichen Angriff gedämpft, dann kann der Einfluss
internationaler Solidaritätsgruppen wachsen. Sie waren bisher immer mit dem
Hinweis auf eine unzulässige Einmischung von aussen abgewiesen worden.

Zurück zum Fussball. Am 17.05. ist das Finale und das erste Mal nimmt eine
türkische Mannschaft an einem Finale im europäischen Fussball teil. Das ist
insofern von grosser Bedeutung, als hier ein Bild von der Stimmung in der
EU genährt wurde, dass die Türken nicht zum "Europa der gemeinsamen Werte
und Wirtschaft" gehören. Ihre Ökonomie sei zu schwach und ihre
Menschenrechtssituation zu schlecht. Das Spiel gibt jetzt die Mögklichkeit,
ein kollektives Gefühl von:"Wir zeigen Euch, was in uns steckt" auszulösen.

SCHWULE IN DER TÜRKISCHEN ARMEE
"In den 90ern wurde ich einberufen und so geschah, was seit meiner Geburt
auf mich wartete. Das einzige Gesprächsthema in meiner Altersgruppe war:
Was wird aus uns werden? Rekrutierungsbüro' war das am meisten genannte
Wort. Die Wehrpflicht war in meinem Leben eine grosse Unsicherheit. Du
kannst nichts, keinen wichtigen Schritt unternehmen, bevor Du die
Wehrpflicht nicht hinter dich gebracht hast. Du kannst weder eine geordnete
Arbeit aufnehmen, noch eine ernste Beziehung eingehen. Du zählst noch nicht
einmal als ein ganzer Mann." Die Passage aus einem Interview mit einem
ehemaligen Soldaten der türkischen Armee illustriert, welche Bedeutung der
Wehrdienst für Männer in der Türkei hat.

ABSCHIEDSFEIERN FÜR SOLDATEN
In den Großstädten werden für die Rekruten an den Bussen groß
Abschiedsfeste gefeiert. Auf den Dörfern versammeln sich alle jungen
Männer, einer trägt eine Standarte aus Putzlumpen, viele haben rote Tücher
um den Hals gebunden. Mit Pauke und Trompete geht es durchs Dorf. Der
Abschied wird bekannt gegeben. Das Staatsfernsehen berichtet täglich in
ausführlichen immer gleichen Reportagen von den Soldaten im Kriegsgebiet.
Heroische Gesichter, die ins Mikrofon brüllen, aus welcher Einheit sie sind
und was ihr Auftrag ist. Dann sind sie auf schleichendem Patrouillengang
durch die Berge zu sehen. Hinzugekommen sind inzwischen Szenen der Rückkehr
in die Familie. Das Militär als Initiationsritus zur Männlichkeit.

Wie reagiert nun die türkische Armee auf Männer, die nicht in ihr Bild von
Männlichkeit passen, weil sie Männer lieben? Offiziell greift sie auf den
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorder II, (DSM II) zurück.
DSM II hatte seine Gültigkeit bis zum Jahr 1980 und wurde durch DSM III
ersetzt. Inzwischen wird in der Türkei für zivile Strafprozesse der seit
1994 aktuelle DSM IV verwendet. Lediglich in der türkischen Armee gilt noch
DSM II, nach der Homosexualität eine psychosexuelle Störung, eine zu
behandelnde Krankheit ist. Homosexualität ist für die türkische Armee eine
unnatürliche Beziehungsform und wer diese öffentlich nach außen trägt, wird
ausgemustert.

DER "AKTIVE" MANN LEBT SEINEN "NATÜRLICHEN TRIEB" AUS.
Nun ist natürlich die sexuelle Orientierung eines Menschen während der
Musterung nicht zu erkennen und so leisten viele Schwule ihren Dienst in
der Armee. Werden sie dort beim Sex mit Männern erwischt, so bleibt der
"aktive" in der Einheit, während der "passive" entweder in eine andere
Einheit verlegt oder aus der Armee entlassen wird. Die Art der Strafe liegt
im Ermessen des jeweiligen Standortkommandeurs. In diesem Verständnis sind
die "aktiven" Männern nicht homosexuell, sondern leben einen "natürlichen
Trieb" aus und bewegen sich in der akzeptierten Männerwelt. Schwul ist
derjenige, der sich hingibt, der den anderen verlockt und in ihrer Sicht
die Rolle der Frau übernimmt. Er befindet sich ausserhalb der akzeptierten
Männlichkeit und hat mit einer Strafe zu rechnen. Nur so ist
nachzuvollziehen, dass sexuelle Beziehungen zwischen Kommandeuren und deren
Dienstboten geduldet werden. Jedem Kommandeur wird ein "posta", ein
Dienstbote zugeteilt und es gilt fast als üblich, dass der Kommandeur
sexuelle Beziehungen zu "seinem Dienstboten" pflegt.

ENTWÜRDIGENDE MUSTERUNGSVERFAHREN
Männer, die sich während der Musterung als schwul zu erkennen geben, müssen
auf verschiedene Arten beweisen, dass sie tatsächlich schwul sind. Die
Verfahren liegen im Ermessen der Musterungsbehörde und werden
unterschiedlich gehandhabt. Wir haben in Erfahrung bringen können, dass
Schwule zunächst für ein Jahr und nach der drauffolgenden Nachmusterung für
ein weiteres Jahr zurückgestellt werden. Danach folgt eine einwöchige
Untersuchung in der Psychatrie eines Militärkrankenhauses, in der eine
Reihe entwürdigender Untersuchungen vorgenommen werden. Darüberhinaus kommt
es vor, dass als Beweis Fotos gezeigt werden müssen, die den Mann in
eindeutiger Pose beim Sex zeigen. Die Fotos bleiben bei den Akten. Im
Ausmusterungsbescheid, der für Berufsfindung und Reispass ein wichtiger
Nachweis ist, wird der Grund der Ausmusterung nicht genannt. Aber die Fotos
bleiben als ständige Drohung in den Akten der Militärbehörden.

FINANZEN
Zehn Mark sind nur zehn Mark sind nur zehn Mark. Zusammen sind das aber
schon dreißig. Das sind die halben Reisekosten nach Istanbul zum
Vernetzungstreffen antimilitaristischer Gruppen oder die Raummiete für
einen Trainingstag. Dreißig Mark sind ein Zehntel der (gestiegenen)
Kommunikationskosten und das Monatsabo für eine Tageszeitung. Zehn Mark
sind zehn Mark sind zehn Mark. Wir freuen uns über jeden Zehner.
Und wir danken für die Sonderspenden für den defekten Drucker. In der
kommenden Woche können wir einen Drucker anschaffen.

Viele liebe Grüsse, und auf ein baldiges Wiedersehen mit einigen von Euch,
Ann-Kristin, Jörg und Katharina


Wir danken: Ausschuss für kirchliche Weltdienste der nordelbischen Kirchen,
Bertha von Suttner Stiftung, DFG-VK in Kiel, Hamburg, Buxtehude und in den
Landesverbänden Hamburg/Schleswig-Holstein und Nie-dersachsen/Bremen,
GAL-Hamburg, Hamburger Forum für Völkerver-ständigung und weltweite
Abrüstung, Hans-Böckler-Stiftung, ikm Ham-burg, junge gemeinschaft Hamburg,
Quäker-Hilfe, Stiftung Gewaltfreies Leben, unserer Unterstützungsgruppe in
Hamburg sowie vielen Einzelpersonen.

Bankverbindung: KURVE Wustrow, Konto Nr. 556633309, BLZ 25010030, Postbank
Hannover. Unbedingt angeben: Stichwort Türkei

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Zuletzt geändert: 09.07.2006