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"Soldaten sind Mörder"

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16. Zu Soldaten und Mördern zur Zeit des Faschismus

Auch aus den Jahren 1933-1945 gibt es Stellungnahmen, die den Krieg als Mord, Mas­senmord, Verbrechen, Niedertracht, Untat, Schande geißelten. Die bisher erwähnten hu­manistischen Autoren sind, so weit sie noch lebten, ins Exil getrieben oder in Konzentrati­onslagern von den Faschisten ermordet worden. Ihre Bücher wurden von den Nazis ver­brannt. Dennoch ließ sich die allgemein gültige Wahrheit, daß Krieg Mord ist und Solda­ten Mörder sind, nicht ausrotten.

Oskar Kokoschka wünscht 1936 auf dem Brüsseler Friedenskongreß:

„Möge der Priester der Lehre Christi beitragen zu der Sache des Friedens, indem er den Mord in jeder Form verurteilt, laut dem Auftrag des Evangeliums.“

Ernest Hemingway (1899-1961) beschreibt den spanischen Bürgerkrieg 1938 so:

„In Madrid haben wir Journalisten letzten Monat neunzehn Tage lang zugesehen, wie gemordet wird. Es geschah durch deutsche Artillerie und es war höchst wirksames Mor­den. Ich sagte, man gewöhnt sich an Krieg. Doch an Mord gewöhnt sich niemand. Und Massenmord sahen wir täglich, neunzehn Tage lang. Wenn ich das schilderte, würde ich damit Brechreiz verursachen. Es könnte Haß werden.“

Auch die Deutschen selbst widersetzten sich dem Zwang zum Morden. Beispielhaft steht der deutsche Kriegsdienstverweigerer und Deserteur Horst Schluckner (*1921), der wiederholt aus der Wehrmacht desertierte, eingefangen wurde, zum Tode verurteilt, zu Zwangsarbeit begnadigt, floh, wieder eingefangen und wieder verurteilt wurde. Er gehörte zu den Überlebenden und hatte in seiner Autobiographie „Sklaven am Eismeer“ seine Gedanken während des gegen ihn geführten Prozesses 1942 niedergeschrieben:

„Zwanzig Jahre bin ich alt - was habe ich denn getan? Raus aus dem Krieg wollte ich, weg von diesem sinnlosen Gemetzel. Wer will das denn nicht? Ihr Menschen da, wer seid Ihr denn, daß ihr mich morden wollt, weil ich nicht morden wollte? Es ist mir auf einmal völlig klar, daß ich ganz richtig gehandelt habe, daß ich wieder desertieren würde, wenn ich noch einmal vor dieser Entscheidung stünde.“

Erich Weinert (1890-1953) hat die Kraft seiner Lyrik dafür eingesetzt, die deutschen Soldaten vom Kriegführen abzuhalten. Als Sprecher des Nationalkomitees Freies Deutschland richtete er zahlreiche Aufrufe an seine Landsleute, die deutschen Soldaten, den Krieg zu beenden.

1943
Ich weiß, es ist nicht unseres Volkes Wille,
was hier geschieht an Mord und Niedertracht.
Doch schweigt das Volk zu den Verbrechen stille,
trägt es der Mitschuld schimpflichen Verdacht.
Kann ich als Deutscher mein Gesicht abwenden
von dieser Untat, die zum Himmel schreit,
wie sie der Völker Recht und Ehre schänden
und treiben ihr Geschäft mit Blut und Leid?
Kann ich als Deutscher abseits stehen und sagen:
Ich bin nicht schuld und auch nicht mitentehrt?
Nein, jeder Deutsche muß die Schande tragen
solang das Volk sich nicht empört und wehrt!
Solang das ganze Volk sich nicht verschworen
und fegt sein Haus von diesem Unrat rein,
solange wird das Land, das uns geboren,
mit der Verachtung Fluch gezeichnet sein!“

 


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Zuletzt geändert: 09.07.2006