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"Soldaten sind Mörder"

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„Soldaten sind Mörder“
in Philosophie und Literatur:


9. Ausflug in die Antike

Der chinesische Weise Mo Dse (470 - 391 v. Chr.) gibt uns folgendes zu Denken:

„Dringt ein Mann in einen Garten ein und stiehlt Pfirsiche und Pflaumen, so wird er von allen, die davon hören, getadelt, und von den Beamten, wenn sie ihn stellen, bestraft.

Warum nun aber?

Weil er einen anderen geschädigt hat, um sich selbst zu nützen. Raubt einer Hunde, Hüh­ner oder Schweine, so wird die Unrechtmäßigkeit seiner Tat als noch ernster empfunden, als der Diebstahl von Pfirsichen und Pflaumen. Je mehr Schaden man anderen zufügt, um so böser handelt man also und um so strafbarer macht man sich auch. Wer nun einen Schuldlosen mordet und ihn beraubt, der hat sich noch eine ärgere Tat zuschulden kom­men lassen. Je größer der Schaden, je böser die Handlung, desto schwerer auch das Ver­brechen. Alle edlen Männer unter dem Himmel wissen das und verdammen daher auch solche Taten als Verstöße gegen die Rechtschaffenheit. Wird aber eine Tat verübt von der Größe eines Überfalls auf einen anderen Staat, so wissen sie auf einmal nicht mehr, daß sie zu verdammen ist, ja, sie rühmen sie noch und erklären sie für „rechtschaffen“.

Kennen solche Leute überhaupt noch den Unterschied zwischen Rechtschaffenheit und Frevel?“

Herr Mo Dse kann mit seiner letzten Frage nicht die Staatsanwälte und Richter angespro­chen haben, die zweitausenddreihundert Jahre später den Vergleich von Soldaten und Mördern für strafwürdig halten. Aus seiner Stellungnahme geht jedoch eindeutig hervor, daß er die Tat von Soldaten für schlimmer und verdammungswürdiger hält als die von „Einzelmördern“, weil der Schaden, den sie anrichten, schwerwiegender ist. Um wieviel mehr gilt das im Zeitalter der Atomwaffen?

Im „Tao Te King“ des Lao Dse (300 v. Chr.) ist zu lesen:
„Die Waffen sind unheilbringende Geräte
nicht Geräte für den Edlen.
Nur wenn er nicht anders kann, gebraucht er sie.
Ruhe und Frieden sind ihm das Höchste
Er siegt, aber er freut sich nicht daran.
Wer sich daran freuen wollte, würde sich ja des Menschenmordes freuen.
Wer sich des Menschenmordes freuen wollte,
kann nicht sein Ziel erreichen in der Welt.“

Auch bei alten Griechen und Römern finden wir die Gleichsetzung von Krieg und Mord:

Homer (800 v. Chr.) schreibt vom Krieg um Troja als „unserer Söhne und unserer Brü­der blutige Ermordungen.“

Aischylos (525-456 v. Chr.) schreibt in den „Eumeniden“ von Bürgerkrieg als „rachedürstend wechselmordende Blutsühne“.

Kaum einer hat die Soldaten des alten Griechenlands so gekonnt verächtlich gemacht wie Aristophanes (445-386 v. Chr.), der den Harnisch des Soldaten als Toilettenschüssel und den Helm als Pißpott darstellte; Aristophanes hatte jedoch auch weitere Kritik an den Kriegsführenden:
„Und wünscht ein Lanzenschmied, ein Waffenkrämer den Krieg nur dem Profit zuliebe, der falle in Räuberhand und koste Brot und Wasser.“
„Ratsherr: So? Ist denn das Geld Ursache des Krieges?
Lysistrate: Und die Ursache alle Verwirrung.“

Cyprian (um 200 v. Chr.) äußert sich „ad Donatum“ ähnlich wie Mo Dse:

„Der Mord ist ein Verbrechen, wenn ein Einzelner ihn begeht, aber man ehrt ihn als Tugend und Tapferkeit, wenn viele ihn begehen. Also nicht mehr die Unschuld sichert Straflosigkeit zu, sondern die Größe des Verbrechens.“

Die Verächtlichmachung des Kriegführenden war auch Ziel von Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.), als er in seiner Rede gegen M. Antonius forderte:

„Wer an Zwietracht, Bürgermord und Bürgerkrieg Freude hat, dem scheinen persönliches Eigentum, gesetzliche Zustände und freiheitliche Rechte einerlei zu sein, und ich meine, so ein Mensch müßte aus der Menschheit ausgestoßen, aus der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen werden.“

Und nur wenig später dichtete Titus Lucretius Carus (96-55 v. Chr.):
„Da nun die Menschen sich mühen, von verblendetem Schrecken besessen,
solchem Geschicke zu entfliehen, so weit wie nur möglich, so raffen
Schätze mit blutiger Hand sie zusammen in Zeiten des Aufruhrs,
häufen das Gold zum Gold und gesellen zum Morde die Mordtat.“

Schon wieder der Gedanke, daß die Tat des Soldaten, das Führen von Kriegen aus dem Beweggrund der Habsucht erfolgt. Dieser Gedanke wird uns so schnell nicht verlassen.

Publius Vergilius Maro (70-19 v. Chr.) dichtete:
„ehrfurchtslos übernimmt der Soldat die gepflegten Gefilde,
er, der Barbar, diese Saaten: wohin hat uns elende Bürger die Zwietracht gebracht!“

Der Begriff „Barbar“ für den Soldaten ist sicher nicht ehrenvoll gemeint, dient hier der Verächtlichmachung!

Albius Tibullus (50-19 v. Chr.) setzt im „Preis des Friedens“ noch einen drauf:
„Welcher der Sterblichen war des grausamen Schwertes Erfinder?
Wahrlich ein eisernes Herz trug der Barbar in der Brust!
Mord begann nun im Menschengeschlecht, es begannen die Schlachten,
und Du, gräßlicher Tod, hattest nun den kürzeren Weg.“

Viele römische Autoren erkennen den Zusammenhang von Krieg und Raub. Habgier und Beutemachen ist für sie der wesentliche Kriegsgrund.

Publius Ovidius Naso (43-18 v. Chr.) verbindet in „die vier Weltalter“ den Raub, genau­er wohl: Raubmord, mit dem Krieg:
„Verderblich stieg das Eisen aus der Nacht,
verderblicher das Gold mit seinen Sorgen.
Mit ihnen ward der Krieg ans Licht gebracht,
dem beide sie zum Kampf die Waffen borgen,
daß klirrend er in blutiger Hand sie schwingt:
es lebt die Welt von Raub, den sie verschlingt.“

Marcus Annaeus Lucanus (39-65 n. Chr.), der als die „Keime des Krieges“ nennt:
„Beute und Kriegsraub“
„Prunk und Verschwendung“
„Keinerlei Grenze dem Gold, den Palästen“
„Großgrundbesitz“
und
„Maßlose Genußsucht“,

also samt und sonders niedrige, verachtenswürdige Beweggründe für das Ermorden von Menschen, wurde selbst Opfer eines „Justizmordes“. Aber nicht wegen seiner kritischen Äußerungen wurde er von Kaiser Nero verfolgt. Als Marcus Annaeus Lucanus sich an einer Verschwörung gegen den Tyrannen Nero beteiligt hatte, die scheiterte, wurde er von diesem zum Selbstmord gezwungen.

Für den römischen Satirendichter Decimus Lunius Juvenalis (80-127 n. Chr.) sind nur noch Raubtiere mit Soldaten vergleichbar und der Vergleich fällt nicht zu ungunsten der Raubtiere aus:

„Doch bei Schlangen ist jetzt die Eintracht viel größer, es schont ein ähnlich geflecktes das andere Wild: Wann brachte dem Löwen je ein stärkerer Löwe den Tod? In welchem der Haine fiel ein Eber noch je von den Zähnen des größeren Ebers?“
(Es folgen noch weitere (Raubtier-)Beispiele)
„Aber zu schmieden den Stahl auf ruchlosem Amboß
achten für nichts jetzt Menschen, indes, bloß Hacken und Karst
im Feuer zu glühen gewohnt und müde von Spaten und Pflugschar,
Schmiede, zu erst nicht gewußt, wie man Schwerter verfertigen sollte.
Horden erblicken wir jetzt, die nicht mit dem Hasse zufrieden,
wenn sie getötet den Mann: Nein, Brust und Arme, Gesichter
sehn sie als Art von Genußmittel an.“

Also nicht nur Raub, auch Mordlust als Beweggrund für das Töten im Krieg!

Ammianus Marcellinus (330-400 n. Chr.) ist selbst Offizier im römischen Heer gewesen, hatte als Geschichtsschreiber römischer Geschichte offenkundig schlechtes Gewissen und verfluchte „den unglücklichen Sieg, der noch schlimmer war als jeder mörderische Krieg.“

Und Laetantius (269-349) machte es kurz, aber absolut:

„Wollt ihr die Religion durch Blutvergießen und Qualen verteidigen, dann verteidigt ihr sie nicht, sondern besudelt und entehrt sie.“

„Der Mensch ist heilig, und es bleibt immer ein Verbrechen, ihm das Leben zu nehmen.“

Von keinem der hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit ausgewählten Autoren ist be­kannt, daß er sich wegen seiner kriegs-, militär- und soldatenkritischen Äußerungen jemals vor einem Gericht verantworten mußte.

Wenn Gaius Julius Cäsar (100-44 v. Chr.) in seinem Buch über den Gallischen Krieg über das Thema „Abschreckung“ schrieb, benutzte er dafür das lateinische Wort „terror“. Eine Organisation, deren erklärte Aufgabe es ist, Abschreckung - lateinisch terror - zu verbreiten und aufrechtzuerhalten, kann hier zumindest sprachlich gerechtfertigt als terroristische Vereinigung gelten.

 


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Zuletzt geändert: 09.07.2006