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Aktuelles und Aktionen zum Pazifismus und Bundeswehr abschaffen

"Traditionspflege"
Verteidigungsminister ehrt Wehrmachts-Gebirgsjaeger



* Entgegen vorheriger Ankuendigung beteiligte sich die Bundeswehr doch noch umfaenglich am Pfingsttreffen der Gebirgsjaeger im bayerischen Mittenwald, bei dem auch die "gefallenen Kameraden" der Wehrmacht geehrt werden. Darueber hinaus wurde am Denkmal fuer die Gebirgsjaeger ein Kranz des Bundesverteidigungsministers niedergelegt. jW dokumentiert Auszuege einer Erklaerung des Landesverbandes der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) von Nordrhein-Westfalen, zu diesem Vorgang.



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Alljaehrlich zu Pfingsten findet in Mittenwald auf dem Hohen Brendten das groesste deutsche Soldatentreffen aller Generationen, das Traditionstreffen der Gebirgsjaeger-Kameradschaft statt. Wehrmachtsveteranen, darunter mutmassliche Moerder an Zivilisten vieler Laender Europas, sowie Aktive der Bundeswehr versammelten sich dort auch in diesem Jahr wieder. (…) Kein einziger Taeter aus der Gebirgstruppe der Nazis wurde bisher zur Rechenschaft gezogen, und die ueberlebenden Opfer warten noch immer auf Entschaedigung. Die dem Traditionserlass des Bundesverteidigungsministers zuwiderlaufende Traditionspflege der Veteranen und Reservisten wird zugleich beibehalten.



Mit Zustimmung wurde daher von Antifaschisten die Absetzbewegung des Bundesverteidigungsministeriums von dem diesjaehrigen Brendtentreffen verfolgt, die sich in der Weigerung aeusserte, diesmal einen der hohen Generaele zu entsenden, der den Kranz zu Ehren auch der Kriegsverbrecher niederlegt, und das Gebirgsjaegermusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen aufspielen zu lassen.



Doch dann kam es zu einer demonstrativen Zustimmung aus Berlin zu dem Treffen, die Bisheriges noch in den Schatten stellte. Da war am Pfingstsonntag dann ploetzlich die Militaermusik da, und der Chef aller Gebirgsjaeger, der Generalmajor und Kommandeur der 10. Panzerdivision, Manfred Engelhardt, legte den Kranz des Bundesministers der Verteidigung nieder. (…) Dabei hatte die Bundeswehr in letzter Zeit mehrfach darauf hingewiesen, nicht sie, sondern der Kameradenkreis sei Veranstalter des Treffens. Jetzt also ein Treffen der Bundeswehr und damit des Ministers? Diese Frage legte die VVN-BdA den Regierungsmitgliedern in Berlin vor (…).



Offenbar abgestimmt mit Berlin waren die Reden des Generals a.D. Ernst Coqui und des evangelischen Militaergeistlichen Wolfgang Scheel, die erstmals deutsche Kriegsverbrechen einraeumten, was offenbar Vorbedingung fuer ministerielles Mittun war. Das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 1. Juni vermerkte, dass der Praesident des Kameradenkreises auch auf Verbrechen von Gebirgssoldaten im Zweiten Weltkrieg einging. (…) Zugleich sprach er von "grossen Leistungen der Gebirgstruppe im Krieg", die bisweilen "schaendlich missbraucht worden" sei. Coqui stellte nicht nur Opfer und Taeter auf eine Stufe, sondern er machte den antifaschistischen Widerstandskampf der Voelker fuer die Massenmorde der NS-Wehrmacht an der Zivilbevoelkerung verantwortlich: "Es darf keine Tabus in der Aufarbeitung der eigenen Geschichte geben. Dies trifft im besonderen auf den Partisanenkampf zu, der zu allen Zeiten grausam und unritterlich ist und mehr Opfer in der Zivilbevoelkerung fordert als jeder regulaere Kampf."



Die VVN-BdA schrieb am Tag nach Pfingsten nach Berlin: "Wir verurteilen die Gleichsetzung der Verbrechen der Wehrmacht mit dem Widerstand der Antifaschisten. (…)" Verurteilt wurde zugleich die Geschichtsklitterung durch den Militaerpfarrer, der behauptete, Deutschland sei in den Krieg hineingezogen und die Grundlagen der freiheitlich-demokratischen Entwicklung nach 1945 seien von den Angehoerigen der Hitler-Wehrmacht gelegt worden (…).



Die VVN-BdA-Sprecher Ernst Antoni und Ulrich Sander (…) forderten von der Bundesregierung, Schluss zu machen mit der antidemokratischen militaristischen Traditionsarbeit des Militaers. (…) Die Veranstalter der Aktionen gegen das Militaristentreffen unterstuetzten die "Operation letzte Chance" des Simon Wiesenthal Zentrums, um die verbliebenen Kriegsverbrecher aufzuspueren. Auch von der Regierung wird die Mithilfe dabei eingefordert. (…) 



Dortmund, den 3. Juni 2004


Den Artikel finden Sie unter:
http://www.jungewelt.de/2004/06-04/015.php

(c) Junge Welt 2004
http://www.jungewelt.de

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Zuletzt geändert: 09.07.2006