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Aktuelles und Aktionen zum Pazifismus und Bundeswehr abschaffen

Aktuelle Informationen

Am 11. September 1973 putsche die Armee in Chile. Präsident Allende 
wurde ermordet, in den Stunden und Wochen darauf starben über 30.000 
Menschen. Der neue Film „Allende“, der am 10. Februar startet bundesweit 
mit nur vier Kopien, so gering schätzt der Verleih das Interesse ein. 
Eine der vier Städte bundesweit, wo der Film ab dem 10. Februar im Kino 
läuft, ist Kiel. Wir möchten auf den Film aufmerksam machen und 
vorschlagen, doch mal wieder ins Kino zu gehen: Traum-Kino, Grasweg 19, 
10.-16. Februar täglich 17.45 Uhr.

Übrigens: Wer den Gegenwind (1. Februar 2005) aufmerksam liest, kann 
zwei Kinokarten für diesen Film gewinnen!

Reinhard Pohl
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Allende - Der letzte Tag des Salvador Allende

Dokumentarische Erinnerungsarbeit: wie ein Traum zerstört wurde

Viel Hoffnung macht der Film schon zu Beginn nicht. Isidra Garcia, einst 
Mitglied der bewaffneten Eskorte Allendes, fährt in einem robusten und 
ein wenig zerbeulten Wagen an einer Demonstration vorbei, rote Fahnen 
und ein paar Trommelwirbel im Vorübergleiten, und er beklagt, dass diese 
Demonstrationen nun klein seien, im Gegensatz zu den Zeiten Allendes. 
Dann folgt die Aufnahme aus der historischen Stunde, in der Allende 
verkündet, er werde seinen vom Volk erteilten Auftrag erfüllen und der 
Gewalt nicht weichen. Über einem melancholischen Lied stellt der Film 
einige seiner Protagonisten vor, jeden in seiner augenblicklichen 
Lebenssituation: die Journalistin Faride Zeran mit einigen Studenten, 
Juan Osses von der Leibwache Allendes in einem Sportstudio, Carlos 
Jarquera, der Presseattache Allendes, der mit einer Aktentasche durch 
Büroräume eilt, Osvaldo Puccia, der als „Kampfgefährte" Allendes 
vorgestellt wird, mit dem Mobiltelefon parlierend in den Straßen des 
modernen Santiago, Isidra Garcia in seinem Jeep unterwegs. Dann sind wir 
wieder in Allendes Rede: „Ich habe keine Wahl. Man muss mich mit Kugeln 
durchlöchern, wenn man mich hindern will, den Willen des Volkes zu 
erfüllen." Aus der Spannung zwischen diesen beiden Bildwelten, die nicht 
nur im Schwarzweiß der Dokumente und den kräftigen Farben der aktuellen 
Film-Aufnahmen voneinander unterschieden sind, gewinnt der Film seinen 
Gestus.

Die Demokratie starb in den Stunden darauf. Nicht nur in Chile, wo das 
Blut floss und ein offensichtlich den Machtkreisen im Westen nicht 
unangenehmes Terrorregime unter Pinochet errichtet wurde. Vielmehr war 
das Schauspiel dieses Putsches auch eine Metapher dafür, dass die 
Interessen des Kapitals noch allemal den „Willen des Volkes" brechen. Im 
Film von Michael Trabitzsch wird das nicht verschwiegen, aber sein 
Zentrum ist weniger die politische Analyse als die menschliche 
Anteilnahme. Das Drama selbst, nicht so sehr seine Autoren und seine 
Sponsoren.

Nach dem Titel sehen wir Nahaufnahmen von gefesselten Händen, Stiefel, 
die über Menschenkörper trampeln, Menschen, die mit erhobenen Armen von 
den Soldaten getrieben werden, das Stadion von Santiago, das zum 
Massengefängnis wird. Dann beginnt der Film mit der eigentlichen 
Erinnerungsarbeit. Allendes Tod ist, sagt Faride Zeran, wie eine 
griechische Tragödie, ein Schicksal, zu dem alle beitragen, vor allem 
die, welche es zu verhindern versuchen. Und damit ist ein wenig der Ton 
dieses Films vorgegeben. Er hat keine Angst vor dem Pathos, er zeigt 
Menschen, die sich um und aus Allende einen Mythos machen, und die von 
ihren Erinnerungen, aber auch jenseits ihrer überlebt haben. Trabitzsch 
lässt seine Zeugen und Dokumente sprechen, und er lässt ihnen ihre Zeit, 
ihren Raum, ihre Bewegung. Dass er sein Material so wenig unter Druck 
setzt, ihm so wenig abverlangt und so viel Freiheit lässt, scheint dem 
Gegenstand angemessen. Es ist sozusagen ein „allendischer" Film, voller 
Trauer um diese zerstörte Hoffnung in der Geschichte, voller 
unterschwelliger Trauer wohl auch um den Verlust einer politischen 
Sprache und einer politischen Sprache der Bilder.

In dieser Vorgehensweise freilich bleibt für die Analyse kaum Platz. 
Vielleicht ist das Unausweichliche, das Tragödienhafte in dieser oral 
history etwas zu sehr betont; „es kam wie es kam" heißt es einmal, und 
kaum etwas führt an die Punkte, wo es auch anders hätte kommen können. 
Mit einer Volksabstimmung versuchte Allende das „Massaker" zu 
verhindern, das er kommen sehen musste, nachdem die Rechten die Führung 
in der Armee übernommen hatten. Doch der Putsch am 11. September 1973 
kam dem zuvor.

Es gibt Filme, die die chilenische Tragödie schärfer und genauer 
angehen, und es gibt solche, die Ursachen und Interessen klarer 
benennen. Aber Trabitzsch gelingt, ohne sentimentale Propaganda, eine 
Montage von Bildern und Worten, die einen berührt, auch wenn man alles 
schon weiß, schon gesehen, schon mehrfach kommentiert erhalten hat. Man 
könnte am ehesten von einem filmischen Gedicht der Historie sprechen, 
einen Kaddisch für ein romantisch politisches Projekt. Und ist nicht 
doch genug Hoffnung in solchen Worten: „Allende ergibt sich nicht, ihr 
Arschlöcher von Militärs", die der Präsident vor seinem Selbstmord 
sprach? Der Film endet mit einer Versöhnungsgeste: Ein Geheimdienstmann 
und einer von Allendes Getreuen, dem er das Leben gerettet hat, sind 
später zu Freunden geworden.

Georg Seeßlen
(Diese Kritik ist zuerst erschienen in: epd film)

Allende – Der letzte Tag des Salvador Allende
Deutschland 2004. R und P: Michael Trabitzsch. B: Michael Trabitzsch, 
Sven Olsson. K: Bernd Meiners. Sch: Anja Neraal. M: Wolfgang Loos. T: 
Fernando Mecklemburg. Pg: Prounen/RBB/3sat. V: Piffl. L: 80 Min.

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Zuletzt geändert: 09.07.2006