Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Aktuelles    Aktionen    Pressemitteilungen   
 

Aktuelles und Aktionen zum Pazifismus und Bundeswehr abschaffen

Redebeitrag zum Ostermarsch 2015

Redebeitrag zum Ostermarsch 2015 von Ladelund nach Bramstedtlund.
Beitrag von Dr. Ralf Cüppers

Am Karfreitag vor etwa 2000 Jahren sind die Menschen zu einem Berg marschiert, auf dem drei Mordinstrumente standen, mit denen drei Menschen weithin sichtbar ermordet wurden. Das Schreckensbild der Gekreuzigten ist fest im Gedächtnis der Menschen verankert. Auch wir sind hier am Karfreitag zu einem Ort marschiert, auf dem Mordinstrumente zu sehen sind. Allerdings sind von hier aus die Ermordeten  nicht sichtbar, folglich auch noch nicht im kollektiven Bewußtsein.

Elektronische Kampfführung als geheimer Beitrag der Bundeswehr zu den NATO-Kriegseinsätzen

Seit dem Krieg der NATO gegen Jugoslawien gibt es innerhalb der NATO eine bewährte Arbeitsteilung: Die Bundeswehr übernimmt die Aufklärung und sucht die Ziele aus und die US-Luftwaffe und andere NATO-Armeen werfen die Bomben, auf diese Ziele.

Die Bundeswehr und die militärbefürwortenden Politiker können sich so an allen Kriegen beteiligen, ohne dass die Bundeswehrsoldaten im Krieg umkommen oder sichtbar an den Kriegsverbrechen beteiligt sind. Auch die Bevölkerung, die Kriegseinsätze mit deutlicher Mehrheit ablehnt, kann mit dieser Art von Kriegseinsätzen leichter an Krieg gewöhnt werden und belogen werden, wenn die Krieg befürwortenden Politiker behaupten, dass es keine Beteiligung deutscher Soldaten an aktiven Kriegseinsätzen gibt. Die Bundeswehr hat mit der Aufklärung nun eine Spezialkompetenz erreicht, die innerhalb der NATO unverzichtbar scheint. Damit kann sie einen wichtigen, eigenständigen Beitrag zu den Kriegsverbrechen der NATO leisten und auch eigene nationale militärische Interessen und Ziele verfolgen.

Die elektronische Kampfführung ist „sauber“, die Opfer bleiben unsichtbar oder werden damit nicht in Zusammenhang gebracht. „Unser Gefechtsfeld ist das elektromagnetische Spektrum, und das ist bekanntlich unsichtbar und überall“, wurde ein EloKa-Soldat im Bundeswehrmagazin Y zitiert.

Was ist Elektronische Kampfführung?

Die elektronische Kampfführung (EloKa) ist eine Truppengattung der Bundeswehr, die für die elektronische Kampfführung zuständig ist. Sie ist Teil der Streitkräftebasis. Sie hat folgende Aufgaben:

Aufklären (EloUM)

Mittels hochempfindlicher Empfangsgeräte werden durch geeignete Messverfahren feindliche Funkabstrahlungen erfasst, aufgezeichnet und ausgewertet sowie deren Quelle ermittelt, um daraus abgeleitet, geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Die so gewonnenen Informationen können über Stärke, Position und Pläne des Gegners Aufschluss geben.

Stören (EloGM)

Durch das Stören der Signale des Gegners wird dieser in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Stören umfasst einen weiten Bereich, der von Falschzieldarstellung über Geräteausfallsimulation beim Gegner bis zum Übersteuern dessen Prozessdatenverarbeitung reichen kann. Deshalb gewinnt der elektronische Kampf entscheidende Bedeutung in kommenden Kriegsszenarien.

Schutz eigener Kommunikation (EloSM)

Das Aufgabenspektrum des elektronischen Kampfes umfasst auch Maßnahmen, feindliche EloKa-Verbände davon abzuhalten, die eigenen Ausstrahlungen zu erfassen oder zu stören.

Mit der Elektronischen Kampfführung werden die Truppenbewegungen und militärischen Strategien der Gegner ausspioniert, die Ziele ausgesucht, die dann von den NATO-Truppen militärisch angegriffen werden.

Wie findet die EloKa den Aufenthalt des Gegners heraus?

Die EloKa verfügt über diese Wullenwever-Antennenanlage hier im nordfriesischen Bramstedtlund, bei der die etwa 40 Antennen in einem Kreis von 410 m Durchmesser angeordnet sind. Hier an der dänischen Grenze ist die größte und damit genaueste Anlage.

Genau wie beim räumlichen Hören die Schallwellen früher bei dem der Schallquelle zugewandten Ohr ankommen, kommt auch die elektromagnetische Welle mit Lichtgeschwindigkeit etwas früher bei der dem Sender zugewandten Antenne an. Aus der Zeitdifferenz kann die genaue Richtung errechnet werden, so erhält man eine Standlinie. Bei jedem Antennenpaar im Abstand von je 410 m erhält man je eine Standlinien, die sich auf der Erdkugeloberfläche in genau einem Punkt kreuzen. Der Standort der Empfänger-Antennenanlage ist mit den Koordinaten 54°51’25,7’’N, 9°4’1,7’’O bekanntgegeben. Somit kann mit den Formeln der sphärischen Trigonometrie der Standort jedes Senders genau definiert werden.

Genau wie bei einem Fingerabdruck kann auch aus dem Frequenzmuster einer menschlichen Stimme auf die Identität der Person geschlossen werden. Allerdings ist die Technik noch nicht so ausgereift, daß Verwechselungen noch vorkommen. So ging bereits 2009 durch die Medien, es sei gelungen, Osama bin Laden zu lokalisieren und mittels einer Drohne gezielt zu töten. Das wurde später dementiert, denn als tatsächliches Opfer stellte sich sein damals dreißigjähriger Sohn Saad heraus, der wohl genetisch bedingt mit einer ähnlichen Anatomie des Sprechapparates und sozial bedingt denselben Dialekt gesprochen hat.

Dieses Szenario ist nicht beweisbar, aber entspricht genau der Logik der Cyberkriegsführung: irgendwo in Pakistan wurde ein Telefongespräch abgehört, aus dessen Frequenzmuster der Computer berechnet, es müßte sich um den gesuchten Osama bin Laden handeln. Mit einer Antennenanlage wie dieser hier wird die genaue Position des Sprechenden errechnet. Daraus ergibt sich der automatisierte Befehl, der mit Lichtgeschwindigkeit an die nächste Kampfdrohne übermittelt wird, genau an diese Position die Hellfire-Rakete abzuschießen, wodurch nicht nur Saad bin Laden sondern noch mehrere völlig unbeteiligte Menschen starben. Kein Mensch hätte die Möglichkeit, den automatisierten Vernichtungsbefehl auch nur zu beurteilen, zu kontrollieren oder zu stoppen.

Standorte der EloKa

Der Elektronischen Kampfführung gehören über 2500 Soldatinnen und Soldaten an. Nach Auflösung des Fernmeldebereichs 92 hat die Bundeswehr die Elektronische Kampfführung in nur noch zwei Bereichen konzentriert:

Der Fernmeldebereich (FmBer) 91 Flensburg mit dem Bataillon Elektronische Kampfführung (EloKaBtl) 911.

Das EloKaBtl 911 befindet sich in Stadum und Bramstedtlund in Nordfriesland. Es diente der Elektronischen Kriegsführung der Marine Die Soldaten der elektronischen Kampfführung arbeiten hier in einer unterirdischen Bunkeranlage.

Dem FmBer 91 ist das mobile EloKaBtl 912 in Nienburg/Weser zugeordnet. Der Einsatz des Bataillons findet als mobile Aufklärungstruppe auf den drei Flottendienstbooten Alster A50, Oste A52 und Oker A53 vor allem im Mittelmeer statt. Die Besatzung gewinnt die Daten an Bord und für die Weiterverarbeitung der Daten sind die Soldaten in der Kaserne in Nienburg zuständig.

Der FmBer 93 mit dem EloKaBtl 931 in Daun ist als Auswertungszentrum des Heeres 2013 entstanden. Es dient der Elektronischen Kampfführung des Heeres. Hier werden die Erkenntnisse der Feldeinheiten der Bundeswehr im Kriegseinsatz gesammelt, ausgewertet und weiterverarbeitet. Die Antennenanlage in Daun hat nur fünf Antennen im Kreis von 80 m Durchmesser, ist somit weniger leistungsfähig.

Dem FmBer 93 ist das mobile EloKaBtl 932 in Frankenberg/Eder zugeordnet. Die Soldaten dieses Bataillons klären im Krieg in Afghanistan mit Hummel-Radpanzern die Ziele auf, die anschließend bombardiert werden. Das Bataillon betreibt die elektronische Kampfführung ortsfest in der Kaserne und mobil als Fernmeldeaufklärung in den Kriegseinsatzgebieten der Bundeswehr und deckt die ortsfesten und mobilen Bereiche der elektronischen Kampfführung ab.

Seit Jahresbeginn tragen die EloKa Soldaten nicht mehr die Farben der Truppengattung, von der sie herkommen, sondern rote Mützen und uringelbe Abzeichen der Streitkräftebasis.

Die Spezialisierung der elektronischen Kampfführung führt zur Zunahme von hochspezialisierten Fachleuten, die auch als Zivilisten bei der Bundeswehr tätig sind und zur Abnahme von Soldaten. Das aktuelle Investitionsvolumen für den Ausbau der elektronischen Kampfführung beträgt 3,3 Millionen Euro jährlich.

Soldaten der Elektronischen Kampfführung übernehmen die militärische Aufklärung im Krieg im Irak, in Libyen, in Syrien und in der Ukraine und dabei ist die Bundeswehr an diesen Kriegen offiziell gar nicht beteiligt. Soldaten der EloKa prahlten stolz, sie hätten immer gewusst, wo der ehemalige libysche Staatschef Gaddafi sich aufgehalten hat und sie seien es gewesen, die die Koordinaten durchgegeben hätten, dass das libysche Staatsoberhaupt gezielt festgenommen und ermordet werden konnte. Die gezielte Tötung des feindlichen Staatsoberhauptes ist Mord. Man mag die Prahlerei der Soldaten für dummes Geschwätz halten, wie auch deren Aussage „Libyen ist erledigt und jetzt machen wir Syrien fertig“, aber auf Aufrage der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke hat die Bundesregierung bestätigt, dass das EloKaBtl 911 in Bramstedtlund bei Flensburg Fernmelde- und Elektronische Aufklärung als Teilbereich der Elektronischen Kampfführung gegen Syrien betreibt. Von Bramstedtlund aus wurden die Truppenbewegungen und militärischen Strategien der syrischen Armee ausspioniert und an die Milizen der Opposition weitergegeben, wohl auch an die „ISIS“, die zum damaligen Zeitpunkt im Interesse der NATO-Staaten gegen Syrien kämpfte. Die in Bramstedtlund gewonnenen Erkenntnisse können in einem Krieg gegen Syrien zur Zielerkennung oder anderweitig militärisch genutzt werden. Auch im Krieg in der Ukraine wird der Funkverkehr der „Separatisten“ der Milizen der russischen Minderheit aus dem Bunker in Bramstedtlund abgehört, ausgewertet und für Kriegszwecke den Verbündeten der NATO des US-Militärs oder der ukrainischen Regierung zur Verfügung gestellt. Aus den Reihen der Einwanderer hatte die Bundeswehr Menschen mit russischer oder ukrainischer Muttersprache rekrutiert, die diese Aufgabe problemlos bewältigen. Somit ist die Bundeswehr auch am ukrainischen Bürgerkrieg von Anfang an aktiv beteiligt. Die Elektronische Kampfführung und die damit verbundene Kriegsbeteiligung finden im Geheimen jenseits der öffentlichen oder parlamentarischen Kontrolle statt, ohne dass auf das Ausmaß der Kriegsbeteiligung öffentlich oder parlamentarisch Einfluss genommen werden kann.

Die elektronische Kampfführung ermöglicht das Zusammenspiel von militärischer Aufklärung und ziviler Spionage durch den Bundesnachrichtendienst

Zu den Nutzern der Antennenanlage des EloKaBtl 911 gehört auch der Bundesnachrichtendienst mit der „Bundesstelle für Fernmeldestatistik“, die eine Tarnbezeichnung ist für die Liegenschaften der Abteilung Technische Aufklärung des Bundesnachrichtendienstes.

750 Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes sind aktive Bundeswehrsoldaten, die vorübergehend oder dauerhaft im Bundesnachrichtendienst eingesetzt werden und zur Tarnung offiziell zum „Amt für Militärkunde“ versetzt werden. Als militärisches Mittel des Bundesnachrichtendienstes stehen die Feldnachrichtentruppe der Bundeswehr und die technische Aufklärung der Elektronischen Kampfführung zur Verfügung Sie erstellen auch Vorlagen für das Bundeskanzleramt und geben Empfehlungen ab, nach denen militärpolitische Entscheidungen getroffen werden, so dass die Politik nach den Vorgaben der Militärs entscheidet und nicht umgekehrt.

Bundeswehr abschaffen!

Die Aufrüstung mit Kampfdrohnen, die vorgestern von der Kriegsministerin beschlossen wurde und für die in Jagel keine halbe Stunde Fahrzeit von Bramstedtlund entfernt bereits der Standort ausgebaut ist, und die unsichtbare Kriegführung der EloKa in Bramstedtlund gehören als Vernetzte Operationsführung zusammen. Die Vernetzte Operationsführung mit EloKa und Drohnen geben im Kombi-Pack einen besonderen Sinn: Vernetzte Operationsführung mit EloKa-„Aufklärung“ heißt: Durch vernetzte Informationen Aufspüren und Auswahl des Mordopfers, Drohnen übernehmen dann die vollautomatische Exekution des Mordbefehles. Das „elektromagnetische Spektrum als Gefechtsfeld“ sieht nicht blutdurchtränkt eklig aus, ist aber für hochtechnisierte Kriegführung aus dem sicheren Bunker heraus nötig. Die Bundeswehr macht sich damit schuldig an Mordtaten in aller Welt. Um weitere zu verhindern, muss die Bundeswehr abgeschafft werden.

Auch eine Bundeswehr, die auf Vernetzte Operationsführung, Cyberkrieg, Drohnen und Elektronische Kampfführung verzichtet, wäre immer noch schädlich, gefährlich, sinnlos und teuer. Demokratie, Frieden und ein Leben in Sicherheit für die Menschen können aber nicht durch Aufrüstung, Militär und Krieg hergestellt oder gesichert werden. Deswegen ist die Alternative einseitige und vollständige Abrüstung hin zur Abschaffung der Bundeswehr und eine Welt ohne Militär.

Druckansicht
Aktuelles    Aktionen    Pressemitteilungen   
 
Logo der DFG-VK Initiative Bundeswehr abschaffen
Zuletzt geändert: 07.04.2015